Immer wenn Du denkst, es kann nicht mehr schlechter werden, wird es schlechter. Es gibt derzeit ein Momentum, dass Europa sich aus der Abhängigkeit von Microsoft mit Office befreien könnte. Und dann beharken sich diverse Entwicklerteams in alternativen Projekten. ONLYOFFICE ist wegen der Euro-Office-Initiative “verschnupft” und lässt die Partnerschaft mit NextCloud “ruhen”. Und die Document Foundation, für LibreOffice verantwortlich, setzt ihre eigenen Gründer vor die Tür, heißt es. Ergänzung: Die Document Foundation hat diese Erfordernisse inzwischen, nachvollziehbar, begründet.
Euro-Cloud und ONLYOFFICE-Zwist
Ein Industriekonsortium, unter Führung des Cloud-Anbieters und Hosters IONOS, sowie dem Entwickler der Nextcloud, haben eine Kooperation zur Entwicklung einer europäischen Office-Alternative zu Microsoft Office angekündigt. Im “Sommer” 2026 soll es so weit sein, das eine als “Euro-Office” bezeichnete Open Source-Lösung verfügbar ist. Das Ganze setzt dabei auf bereits vorhandenen Bausteinen auf (siehe meinen alten Beitrag OnlyOffice – ein Office aus Lettland) und forkt ONLYOFFICE. Ein Fork deshalb, weil der Eigentümer bei ONLYOFFICE wohl aus Russland stammt. Ich hatte das Projekt kürzlich im Beitrag Konsortium um IONOS und Nextcloud plant “Euro-Office” erwähnt.
Es gab aus der Leser die Frage, warum man nicht LibreOffice verwendet, und ich hatte einige Antworten aus “dem Munde” des Industriekonsortiums gegeben (veraltet, kein Einfluss auf die Entwicklung etc.). Mit den neuen Informationen (siehe unten) kommt da aber ein weiterer “Spin” auf. Denn es gibt Zoff zwischen diversen Entwicklerteams rund um LibreOffice, Collabora, NextCloud sowie ONLYOFFICE.
Ich hatte die Tage im Artikel ONLYOFFICE: Lizenzverletzungen bei Euro-Office? aber eine Information von ONLYOFFICE berichtet. Das Unternehmen wies in einer Informationen darauf hin, dass ONLYOFFICE zwar Open Source sei und auch geklont werden könne. Aber es gelte die AGPL, und diese sei vom Euro-Office-Konsortium einzuhalten. Ich hatte die Details aufgezeigt und gefragt, ob sich da “juristische Abgründe” auftun – ohne das Ganze final bewerten zu wollen.
Hat einige Leser – und auch Leute von Euro-Office “verschnupft”. Hier im Blog kam der Vorwurf einer einseitigen Berichterstattung auf, und das sei doch alles längst geklärt. Ja, dass Konsortium hat vorab eine Stellungnahme der Free Software Foundation (FSF) eingeholt, dass ein Fork möglich sei. Hatte ich auch nicht anders erwartet und im Artikel nicht angezweifelt. Die Kernfrage für mich war eher: Schafft dass Konsortium die AGPL einzuhalten und kann ONLYOFFICE der Initiative Knüppel zwischen die Beine werfen?

In obigem Tweet hat sich ein Mitarbeiter von IONOS über seinen privaten BlueSky-Account gemeldet und schreibt, dass die Vorstellung, dass die AGPL-Interpretation von ONLYOFFICE gelten soll, von NextCloud und IONOS sowie der Free Software Foundation angezweifelt werde. Ich lasse das schlicht im Raum stehen und bin damit fein – wenn die ONLYOFFICE-Sichtweise falsch ist, gut, wenn ONLYOFFICE Recht behält, nicht gut für Euro-Office.
Jedenfalls scheint da ein “Tischtuch zerschnitten”, so meine naive Interpretation als außenstehender Beobachter. Zum 1. April 2026 stieß ich bei neowin.net auf den Artikel ONLYOFFICE suspends Nextcloud partnership for forking its project without permission. Basis dieses Artikels ist der ONLYOFFICE-Beitrag ONLYOFFICE flags license violations in “Euro-Office” project by Nextcloud and IONOS. In diesem Artikel stellt ONLYOFFICE “einen offensichtlichen und schwerwiegenden Verstoß gegen die Lizenzbedingungen von ONLYOFFICE sowie gegen etablierte Grundsätze des internationalen Urheberrechts” beim Euro-Office-Projekt fest.
Erst wenn die vollständige Einhaltung sichergestellt ist, sei man bei ONLYOFFICE bereit, die unrichtigen und irreführenden Aussagen über ONLYOFFICE, die im Zusammenhang mit diesem Projekt gemacht wurden, anzusprechen und zu erörtern. Neowin.net schreibt, dass ONLYOFFICE seine achtjährige Partnerschaft mit Nextcloud ausgesetzt habe und als Grund dabei auf Lizenzverletzungen durch den Fork verweist. Die entsprechende Mitteilung von ONLYOFFICE findet sich hier.
Die Partnerschaft zwischen dem ONLYOFFICE-Entwickler Ascensio System SIA aus Lettland und Nextcloud ermöglichte es Nextcloud-Nutzern, Office-Dokumente direkt in ihrer eigenen Instanz zu bearbeiten und gemeinsam daran zu arbeiten. Das sei für Selbsthoster von großer Bedeutung, schreibt neowin.net. ONLYOFFICE wurde gegenüber LibreOffice/Collabora bevorzugt, da es native Kompatibilität mit Microsoft-Office-Formaten (DOCX, XLSX, PPTX) und eine überlegene Browser-Performance bot. Jetzt hat man diese Partnerschaft ausgesetzt – was zwar gegenwärtige Softwarestände bei Nextcloud-Nutzern nicht tangieren soll, sich aber auf künftige Entwicklungen auswirken könnte. Das hört sich für mich alles nicht nach “Harmonie” an.
Auch LibreOffice am Abgrund?
Am Samstag bin ich von einem Blog-Leser über X auf einen weiteren Brandherd hingewiesen worden (danke dafür). Es gibt die in Berlin ansässige Document Foundation, eine gemeinnützige Stiftung mit Florian Effenberger als Executive Director. Persönlich kann ich nichts negatives über Florian Effenberger sagen. Die Erfahrungen stammen aber auch aus einer Zeit, als ich meine 1.300 Seiten Schwarten über OpenOffice.org geschrieben habe und es Berührungspunkte gab (OpenOffice.org war ja der Vorgänger von LibreOffice, den Fork gab es, als Knatsch mit Oracle aufkam).
Dann gibt es noch Collabora, ein in Großbritannien als Organisation angesiedeltes Entwicklerteam, dass eine leistungsstarke Online-Suite zur Bearbeitung von Dokumenten bereitstellt. Collabora war im Board der Document Foundation vertreten und hat wohl mit Collabora Productivity, in dem die ursprünglichen LibreOffice-Entwickler angesiedelt sind, die Hauptlast in der Code-Erstellung von LibreOffice getragen. Laut diesem Forenbeitrag stammt die Hälfte des gesamten Programmcodes von Collabora-Mitarbeitern.
Im April 2026 ist es dann wohl zum Eklat zwischen der Stiftung (TDF, The Document Foundation) und Collabora gekommen. Zitat aus dem Forenbeitrag:
Im April 2026 hat die Document Foundation über 30 der wichtigsten Entwickler und Gründungsmitglieder aus ihren Gremien ausgeschlossen. […] Die Begründung? Neue “Community Bylaws”, die im Januar 2026 verabschiedet wurden und besagen, dass niemand mitentscheiden darf, dessen Arbeitgeber in einen Rechtsstreit mit der Stiftung verwickelt ist.
Da die TDF zeitgleich selbst rechtliche Schritte gegen Collabora eingeleitet hat, war die Falle perfekt: Erst verklagt man den Partner, dann schließ man seine Leute mit Verweis auf die Klage aus.
Der Forenbeitrag, sowie die Kopie hier, zeichnen die zeitliche Entwicklung und viele Details auf. Mir ist dabei auch die kürzlich wiederbelebte LibreOffice Online (LOOL) “als totes Pferd” untergekommen (hatte ich im Beitrag LibreOffice 26.2.1 verfügbar mal erwähnt).
Ich kann die Feinheiten dieser Entwicklung nicht werten, da ich in die Details nicht involviert bin. Nebulös wird im oben erwähnten Blogbeitrag etwas von vorgeschobenen steuerrechtlichen Gründen der Document Foundation erwähnt. Ergänzung: In nachfolgenden Kommentaren wird auf den Beitrag Setzen wir der Spekulation ein Ende eines The Document Foundation (TDF) Mitglieds mit deren Sichtweise verlinkt. Ist nachvollziehbar für mich, klingt aber nicht gut für die Zukunft von LibreOffice.
Und wenn wir dann alles erfolgreich zerlegt haben, wenden wir uns wieder Microsoft 365 zu. Darauf ist wenigstens Verlass, und wenn es Bugs, und Gimmicks sind.
PakarPBN
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