In den Teilen 1 bis 4 meiner Artikelreihe habe ich meinen etwas “missglückten” Start mit Linux Mint 22 beschrieben. Aber ich bin ja noch eine Erklärung schuldig, warum ich das Projekt gestartet habe, und warum es dann vier Beiträge hier im Blog gibt. Zudem möchte ich ein Fazit ziehen.
Warum das Projekt?
Hier möchte ich ein wenig ausholen. Seit geraumer Zeit beobachte ich ja, wie Microsoft mit seiner Produktpolitik gegen das agiert, was meine Wenigkeit, und eine Reihe anderer Nutzer, glaubt zu benötigen.
Das ging schon mit Windows 8.x und den unsäglichen Kacheln los. Setzte sich aber mit Windows 10 und dem “as a service”-Ansatz, der Zwangsbeglückung mit Apps, Feature-Updates, dem Zwang zum Microsoft Online-Konto, der Cloud-Fokussierung und der Telemetrie fort. On Top kam dann noch die Gängelung mit Nag-Screens, Edge-Zwang und so weiter.
Das Ganze kumuliert mit Windows 11, seinen Hardware-Voraussetzungen und die ständige Gängelung. Aktuell reden wir über die Einführung von Copilot samt Recall bei Windows 11.
Persönlich kann ich es ja entspannt angehen, arbeite ich mit Windows 10 2019 IoT Enterprise LTSC. Da gibt es einerseits keine Feature-Updates und keine Apps – einfach ein Betriebssystem zum Arbeiten. Und es gibt Sicherheitsupdates bis 2029 – mit Windows 10 2021 IoT Enterprise LTSC gibt es sogar Support bis 2031.
Aber ich wollte nach vorne schauen, und Alternativen prüfen, bevor ich hier im Blog Vorschläge mache. Einen Wechsel auf einen Mac mit macOS kommt nicht infrage – da ist mir zu viel “goldener Käfig”, obwohl mir ältere macOS-Versionen, die ich 2013/2014 intensiver in VMs sowie auf einem Hackintosh getestet habe, ganz gut gefiel.
Aber es gibt ja diverse Linux-Distributionen als OpenSource-Lösung. So vom Ansatz war klar: Als Distribution liebäugelte ich mit Mint, Ubuntu schied wegen diverser Schlenker von Cannocial aus. Debian oder OpenSuse wäre noch gegangen, wäre aber nur zweite Wahl gewesen.
Im Gepäck hatte ich diverse Begegnungen, so von 1993 an, als ich eine Diskette mit Linux 0.x in die Finger bekam und mit UMSDos auf einem PC zum Laufen brachte. Später kamen kurze Episoden mit SuSE-Linux hinzu, wo ich Ende der 90er Jahre sogar für einige Monate Buchmanuskripte für SuSE-Press erstellt habe. Und es gab das Buchprojekt “Linux statt Windows”, was wir aber nach der dritten Auflage einstellen mussten – die Dreimontas-Update-Zyklen von SuSE-Linux haben uns umsatzmäßig das Genick gebrochen.
So um 2007 gab es dann noch ein Revival mit Xandros, dem Linux auf dem eeePC 701 Netbook, zu dem ich das weltweit erste Buch verfasst habe. Später kam noch ein Buch zum Acer Aspire One mit Linpus Lite hinzu. Aber im Rückblick ist das Linux-Revival durch die Netbooks wie ein Strohfeuer in sich zusammen gefallen – die Leute haben sich Windows XP auf die Dinger installiert.
In den Folgejahren gab es nur kurze Ausflüge mittels Mint-Installationen in virtuellen Maschinen. Und jetzt hatte ich Bock, mal wieder was mit Linux zu machen. Zur Verfügung stand ein Dell-Notebook, der in einem Unternehmen aussortiert worden und mit Mint 22 LTS bestückt mir zur Verwendung überlassen wurde.
Ziel war eigentlich, Virtualisierung mit KVM zu testen und dann Mint 22 für diverse Experimente zu verwenden. So ganz vage gab es den Gedanken, dann zu bestimmten Themen zu bloggen.
Allerdings bin ich ja etwas heftiger gegen jede Kante, die es auf dem Weg zu Linux gab, gerannt. Die VMs mit Windows 10 hatten unter KVM kein Netz. Virtualbox konnte keine VMs starten – so hatte ich mir das nicht vorgestellt. Als ich das Ganze grob in einem Kommentar hier im Blog schilderte, kamen eine Reihe Antworten – einige recht zielführend. Andere Aussagen bewogen mich, über ein oder zwei Blog-Beiträge nachzudenken. Dass es dann vier Beiträge wurden, war nicht geplant.
Ein soziologisches Experiment
An dieser Stelle muss ich mich bei der Stammleserschaft entschuldigen. Irgendwann auf dem Weg zum ersten Beitrag hat mich der Schalk im Nacken geplagt. Es gab plötzlich die Idee für ein soziologisches Experiment. Nimm einen Ball, pinsele “unbedarfter Blogger verliert sich bei ersten Gehversuchen im Linux-Land” drauf, werfe diesen Ball ins Spielfeld und warte mal was passiert.
Es gab im Hinterkopf die Überlegung, dass die Linux-Protagonisten ja jedes Jahr den Durchbruch von Linux auf dem Desktop propagieren. Nur Microsofts Marketing verhindert, dass sich das bessere Betriebssystem am Markt durchsetzt. So ganz vage war der Gedanke: “Ok, die Leserschaft greift das Experiment konstruktiv auf und es entwickelt sich weiter. Oder es versickert mangels Interesse. Oder es gibt eine Flame-Ware, wie ich es seit 30 Jahren immer mal wieder erlebt habe.”
Leider ist dieses soziologische Experiment für meinen Geschmack ziemlich entgleist. Die Artikelreihe ist ja am Beitragsende verlinkt und die Kommentare lassen sich jederzeit nachlesen. Mein expliziter Dank an Leser, die versucht haben, konstruktiv beizutragen.
Es gab leider auch die Art Kommentare, die jeder Windows-Umsteiger bei der ersten Begegnung mit Linux sehnsüchtig erwartet. So absolut zum Abtörnen. Auf Facebook gab es noch heftigere Anwürfe – Landesverrat ist ein Fliegenschiss zum Verbrechen einer vermeintlichen Linux-Lästerung.
Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Ich kann das ab, aber ich sehe die Geschichte aus dem Blickwinkel eines Windows-Nutzers, der sich für Linux interessiert. Da werden doch alle Vorurteile gegen Linuxer bestätigt.
Muss jeder Kommentator mit sich ausmachen – mir muss niemand etwas beweisen und ich genauso wenig. Aber die Kommentare halte ich fatal – so wird das mit dem Durchbruch von Linux auf dem Desktop nichts.
Mein Fazit
A Priori hätte ich nicht erwartet, wirklich gegen jede Ecke zu rennen, die Mint 22 mir aufgespannt hat. Am Ende des Tages habe ich die Probleme ja – auch dank hilfreicher Tipps einiger Leser – beheben können.
Sehr konsterniert war ich von der oben erwähnten Kommentarlage – hatte ich in dieser Heftigkeit so nicht erwartet. Zeigt mir aber, dass es mit dem Umstieg von Windows auf Linux vor die Masse der Nutzer schlicht nicht klappen wird. Die Community und die Maintainer der vielen Distributionen stehen sich meiner Meinung nach selbst im Weg. Da muss sich noch viel bewegen, damit Otto-Normalnutzer wechselt bzw. wechseln kann.
Ich selbst werde auf dem Testsystem mit Mint 22 weiter experimentieren und probieren, ob das eine Alternative zu Windows 10 1909 IoT Enterprise LTSC werden kann.
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